„Theater“ in der DRK-Notunterkunft der Prince Rupert School in Rinteln

Rushdi Al Fatlavoi inszeniert „Bullet“

Die Theatergruppe, die sich in der Notunterkunft in der Prince Rupert School (PRS) in Rinteln gebildet hat, schlägt eine Brücke zwischen Flüchtlingen und Einheimischen, über alle Sprachbarrieren hinweg. Die aufgeführten Stücke beschäftigen sich mit den Erfahrungen, die die Geflüchteten in ihren Heimatländern gemacht haben, und machen. Sie erzählen individuelle Geschichten.

Damit wollen die Künstlerinnen und Künstler einerseits den Einheimischen die Hand reichen und sie einladen sich anzusehen, was sie auf und vor ihrer Flucht durchgemacht haben. Andererseits wollen sie sich bedanken, dass sie hier in Sicherheit und Frieden leben dürfen.

Mitinitiator ist der Regisseur Rushdi Al Fatlavoi. Der 37jährige hat Theater-Regie an der Hochschule für bildende Künste in Bagdad studiert und 2005 als einer der Besten seines Jahrgangs abgeschlossen. Dazu gehört die langjährige Erfahrung als freier Tanztheater-Regisseur am Nationaltheater in Bagdad, und Engagements über mehrere Monate an der Oper in Damaskus (Syrien) sowie in Beirut (Libanon).

Foto: Rüdiger Reckstadt
Foto: Rüdiger Reckstadt

Am 4. Juni bereits konnte „Bullet“ in Rinteln aufgeführt werden, ein Tanztheater von Rushdi Al Fatlavoi. In einer ihrer barbarischsten Aktionen entführt und exekutiert die Terrormiliz ISIS bis zu ca. 1700 junge Männer aus „Camp Speicher“, einer Kadettenschule der irakischen Luftwaffe. Das Foto von Rüdiger Reckstadt zeigt eine beeindruckende Szene aus dem Stück.

In zehn Szenen zeigt Al Fatlavoi die Situation der Gesellschaft in weiten Teilen des Iraks auf. Anhand des Schicksals eines jungen Paares, dessen Glück, Hoffnung, Liebe durch den Terror brutal zerstört wird – der junge Mann ist eines der ca. 1.700 Opfer des Massakers von Camp Speicher – erhält der Betrachter einen Eindruck dessen, was die irakische Bevölkerung tagtäglich erlebt: Angst vor der bestialischen Willkür mordender IS-Banden, Verzweiflung und Trauer ob der vielen Toten und eine unbändige Wut auf ein Regime, das unfähig ist das eigene Volk zu schützen und nur bestrebt ist, die eigene Macht und den eigenen Wohlstand abzusichern.

Die zurückgebliebenen Überlebenden verlieren nicht nur geliebte Menschen. Auch ihr eigenes Lächeln wurde erschossen. Der brutale gegenwärtige Terror tötet auch die Erinnerung an vergangene, glücklichere Zeiten. Es bleibt Verzweiflung und die anklagende Frage, die sich angesichts so vieler kriegerischer Auseinandersetzungen stellt: WARUM?