Regionale Integrationskonferenz „Bürgerschaftliches Engagement“ des Amtes für regionale Landesentwicklung Leine-Weser

Am 9. Mai 2017 fand in Hildesheim die regionale Integrationskonferenz „Bürgerschaftliches Engagement“ des Amtes für regionale Landesentwicklung Leine-Weser statt.

Am Vormittag wurde in einer Talkrunde über Erlebnisse, Erfahrungen und Erfolge und gute Beispiele bürgerschaftlichen Engagements gesprochen. An der Talkrunde beteiligt waren Mohammed Nouali, Ghaylan Aldreiss, Mehmet Karakaya und Astrid Hunke

Mohammed Nouali, Ghaylan Aldreiss, Mehmet Karakaya und Astrid Hunke – Foto: Jasper Ehrich für Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser

Herr Nouali ist selbst 1992 als Maschinenbaustudent aus Marokko nach Deutschland gekommen und kann sich allzu gut an die Schwierigkeiten erinnern, die er hatte eine Wohnung bzw. ein Zimmer hier zu bekommen. Auch das konnte seiner Zeit nur gelingen, da er von engagierten Bürgerinnen und Bürgern unterstützt wurde. Er kann sich auch noch gut daran erinnern wie hart es war für die Aufnahme seines Studiums in nur ein paar Wochen das verlangte Sprachniveau zu erlangen. Heute, 25 Jahre später, ist er selbst ehrenamtlich sehr aktiv. Aber er ist hauptamtlich über asyl e.V. auch Integrationshelfer im Auftrage des Landkreis Hildesheim und betreut mehr als 500 Menschen in Elze, Gronau und Nordstemmen. Diese Herkules-Aufgabe, sagt er, sei ohne Ehrenamt gar nicht zu bewältigen. Er präsentierte zudem eine weiteren spannenden Ansatz: neben der Einbindung einheimischer Ehrenamtlicher, geflüchtete Menschen aktiv im Rahmen einer Flüchtlingsintegrationsmaßnahme als sogenannte ‚Hausmeister‘ einzubeziehen. Herr Nouali ist leidenschaftlicher Trainer und betonte, dass Sport der einfachste Weg, jemanden zu integrieren. Am Beispiel von dem Engagement von Herrn Nouali lässt sich deutlich erkennen, dass Hauptamt das Ehrenamt braucht, um den aktuellen Herausforderungen begegnen zu können. Aber genauso wichtig ist für das Ehrenamt das Hauptamt, um die Angebote zu koordinieren bzw. bekannt zu machen.

Ghaylan Aldreiss ist 31 Jahre und war Fernsehmoderator in Damaskus, er ist in 2016 aus Syrien über die Balkanroute hierher geflohen. Die Erfahrungen seiner Flucht teilt er in einem Blog. Nur wenige Monate seit seiner Ankunft hier in Deutschland hat er ein Praktikum bei einem lokalen Radiosender ,Radio Tonkuhle‘ in Hildesheim gemacht. Dort moderiert er nun ein Sendung namens ‚Brücke der Kulturen‘ die über Migrantenorganisationen, Flüchtlingsarbeit, internationale und interkulturelle Kulturarbeit berichtet – die Sendung läuft immer am 3. Dienstag im Monat 10 bis 11 Uhr. Bemerkenswerter Weise auf Deutsch. Die Erfahrungen und die persönliche Geschichte von Ghaylan Aldreiss hier in Deutschland zeigen uns, dass durch das Engagement einzelner Bürgerinnen und Bürger und zum Beispiel die Übernahme von Patenschaften von Flüchtlingen, was in vielen Städten und Gemeinden praktiziert wird, eine große Hilfe in der Flüchtlingsarbeit ist.

Herr Karakaya, IMPULS Hameln, ist Streetworker in einem Modellvorhaben aus der Bundesinitiative ‚Jugend stärken im Quartier‘. In dem Modellvorhaben sind als Fördergebiete der Kuckuck in Hameln, Hachmühlen in Bad Münder sowie der sog. Ostkreis Coppenbrügge/Salzhemmendorf ausgewählt. Das Förderprogramm läuft für 4 Jahre und je nach Bedarf werden Teilprojekte in den Fördergebieten durchgeführt. Die Stadtteile waren hauptsächlich durch den Zuzug von Osteuropäern, größtenteils Rumänen geprägt. Vor knapp zwei Jahren ergaben sich durch die vielen ankommenden geflüchteten Menschen neue Herausforderungen und es konnten bereits zahlreiche Teilprojekte wie z.B. ein Begegnungscafe, ein interkultureller Begegnungsgarten realisiert werden. Diese Angebote können jedoch auch nur durch die tatkräftige Unterstützung von freiwillig Engagierten Bürgerinnen und Bürgern realisiert werden. Herr Karakaya berichtete anschaulich von seinen Erfahrungen aus der Praxis und zeigte auf wie wichtig es ist, ein Medium zu schaffen, dass die Menschen zueinander bringt.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Regionalen Integrationskonferenz –
Foto: Jasper Ehrich für Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser

Frau Hunke hatte als Vertreterin der Regionalgruppe Süd der LAGFA an der Konferenz teilgenommen. Sie ist Mitglied der ersten Stunden einer der ersten Freiwilligenagenturen in Niedersachsen. Viele Ehrenamtliche wollen Flüchtlinge willkommen heißen, begleiten und unterstützen. Sie wollen helfen und wissen nicht, wie und wo. Deshalb wenden sie sich bestenfalls an die Freiwilligenagenturen vor Ort. Frau Hunke berichtete von den Schwierigkeiten im Arbeitsalltag der Freiwilligenagenturen und betonte wie wichtig die Vernetzung und Koordinierung der Angebote aber auch der Ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer ist und was die LAGFA tut, um die Vernetzung stetig zu verbessern. Sie hat sehr plastisch dargestellt, wie wertvoll die freiwilligen Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingsarbeit sind, es aber auch in diesem Zusammenhang noch Optimierungsbedarf gibt, aber auch nicht zu viele helfende Hände geben kann.

Am Nachmittag fand ein interkultureller Workshop für Multiplikatoren in der Flüchtlingsarbeit statt. Die interkulturelle Trainerin Silke von Hoffmann definierte den Kulturbegriff und gemeinsam erarbeiteten die Teilnehmen anhand Ihrer Erfahrungen, Hemmnisse und positiven Erlebnisse im Arbeitsalltag, dass zur Einschätzung das neben der Kultur oftmals auch Rahmenbedingen und/oder die persönliche Auffassung Grund für Missverständnisse sein können.

Fotos: Jasper Ehrich für Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser