Editorial von Michael Rüter

Liebe Leserinnen und Leser,

in wenigen Tagen findet die dritte Integrationskonferenz des Bündnisses „Niedersachsen packt an“ in Hannover statt. Nach den Konferenzen zu dem Aufgabenfeld Sprache und zur Integration in den Arbeitsmarkt wollen wir uns am 29. August mit dem Komplex Wohnen und Leben beschäftigen.

Unter den Leitfragen Herausforderungen definieren, Hemmnisse erkennen und Best Practice sollen bei der Integrationskonferenz Antworten und Lösungen gefunden werden wie wir in Niedersachsen in der sehr guten Kooperation aller Akteure die Aufgabe(n), schnell guten Wohn- und Lebensraum zu schaffen, meistern können. Auch diese Aufgabe wird nur gelingen, wenn alle staatlichen, kommunalen und zivilgesellschaftlichen Akteure weiterhin eng und abgestimmt zusammen arbeiten werden.

Im aktuellen Infodienst finden Sie darüber hinaus weitere Informationen zu den Aktivitäten des Bündnisses.

Auch für die nächsten Ausgaben unseres Info-Service, die beiden nächsten erscheinen am 8. September und am 6. Oktober, freuen wir uns auf weitere Hinweise, Praxisbeispiele und aktuelle Terminankündigungen. Schicken Sie unserer Redaktion einfach eine E-Mail an informationsdienst-buendnis@niedersachsen.de

Viel Freude beim Lesen – wir freuen uns, viele von Ihnen bei der dritten Integrationskonferenz in Hannover zu treffen und den Austausch fortzusetzen.

Ihr
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Michael Rüter
für den Koordinierungskreis
„Niedersachsen packt an“

„Werkstatt Wohnen und Leben“

3. Integrationskonferenz lädt nach Hannover ein

Am 29. August 2016 findet die dritte Integrationskonferenz im Hannover Congress Centrum (HCC) statt. Sie wird sich dem Schwerpunktthema “Werkstatt Wohnen und Leben” widmen.

An die zwei im März und Juni dieses Jahres bereits durchgeführten Integrationskonferenzen zu den Themen „Werkstatt Sprache“ und „Werkstatt Arbeit“ knüpft nunmehr die 3. Integrationskonferenz „Werkstatt Wohnen und Leben“ an.

Ging es in den ersten beiden Veranstaltungen um die Vermittlung der deutschen Sprache und die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, so ist eine ausreichende Versorgung mit Wohnraum einer der zentralen Bausteine für eine gelingende Integration geflüchteter Menschen in Niedersachsen.

Dabei geht es beim „Bauen und Wohnen“ aber nicht nur um die Versorgung zugewanderter Menschen mit Wohnraum, sondern vielmehr um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und Wohnungsbau für alle Bevölkerungsgruppen mit niedrigen und mittleren Einkommen.

Die eigenen vier Wände und ein gutes Wohnumfeld sind mitentscheidend für eine gelingende Integration der vielen zugewanderten Menschen. Am 29. August werden unterschiedliche Handlungsansätze dargestellt, wie schnelles und kostengünstiges Bauen realisiert und das durch kulturelle und soziale Vielfalt geprägte Zusammenleben in den Quartieren bestmöglich Erfolg haben kann. In Foren wie „Quartier und Integration“ oder „Bauweisen für dauerhaftes menschenwürdiges Wohnen mit Qualität und Zukunft: Möglichkeiten und Grenzen“ werden die praktischen Herausforderungen skizziert und Chancen und Umsetzungsmöglichkeiten dargestellt und gemeinsam erarbeitet. Abgerundet wird die Konferenz durch einen Markt der Möglichkeiten mit über 30 „Guten Beispielen“ erfolgreicher und ermutigender Projekte zum Thema.

Weitere Info erhalten sie hier:
Einladung

Edition „Begegnung“ von Christian Awe ermöglicht Kunstaktionen im Land  

Kunst kaufen und anpacken!

Der Maler Christian Awe hat exklusiv für das Bündnis „Niedersachsen packt an“ das Werk „Begegnung“ geschaffen. Noch bis August 2016 ist das leuchtend bunte Bild auf über 300 Quadratmeter Fläche an der Fassade der Landesvertretung ausgestellt. Weithin sichtbar wirbt es dort für Begegnungen mit Anderen und eine „Einheit in der Vielheit“. Dieser Ausspruch des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz‘ hat den Künstler inspiriert und ist auch Richtlinie für das gesellschaftliche Bündnis.

Jetzt hat Christian Awe eine limitierte Edition von „Begegnung“ (28 x 63 cm) für das Bündnis aufgelegt. Von den Einnahmen werden ab Herbst 2016 partizipative Kulturprojekte unterschiedlicher Künstlerinnen und Künstler im Land finanziert. Bestellen Sie Ihr handsigniertes und nummeriertes Editionsblatt des renommierten Künstlers zum Vorzugspreis von 300 €/390 € (ungerahmt/gerahmt) unter: info@christianawe.com und packen Sie dem Bündnis und seinem Kulturprojekt so tatkräftig unter die Arme.

Wir freuen uns auf weitere spannende Begegnungen der Bündnispartner mit den Künsten- in Niedersachsen!

Weitere Informationen zum Bild:
Der Künstler Christian Awe greift mit seinem Bild „Begegnung“ den Ausspruch „Einheit in der Vielfalt“ des Niedersachsen Gottfried Wilhelm Leibniz assoziativ auf. Die Strahlkraft der Farben und die Dynamik der Formen sollen ein positives Gefühl der Zuversicht, einer ausgewogenen Balance und ein „Wir-Gefühl“ vermitteln. Für den Hintergrund hat der Künstler ein tiefes „Blau“ gewählt, mit dem man Freiheit, Sehnsucht und die Europäische Union verbindet. Gleichzeitig lässt der blaue Grund mit seiner dreidimensional plastisch anmutenden Struktur an die unzähligen Ertrunkenen im Mittelmeer denken, aber auch an Wasser als den Ursprung allen Lebens. Die weißen, gestischen Spritzer, die sich wie Schlieren und kleine Eruptionen über das gesamte Bild verteilen, bewegen sich in Richtung des hellen Zentrums auf einander zu. Ganz so, wie die Wege der Flüchtenden, die auf ein Ziel hinstreben. Die intensiven Farben der beiden Pole unterstreichen die Begegnung der Kulturen, die jede auf ihre Weise dynamisch und voller Lebensenergie sind. Finden Sie hier weitere Informationen www.christianawe.com.

„Theater“ in der DRK-Notunterkunft der Prince Rupert School in Rinteln

Rushdi Al Fatlavoi inszeniert „Bullet“

Die Theatergruppe, die sich in der Notunterkunft in der Prince Rupert School (PRS) in Rinteln gebildet hat, schlägt eine Brücke zwischen Flüchtlingen und Einheimischen, über alle Sprachbarrieren hinweg. Die aufgeführten Stücke beschäftigen sich mit den Erfahrungen, die die Geflüchteten in ihren Heimatländern gemacht haben, und machen. Sie erzählen individuelle Geschichten.

Damit wollen die Künstlerinnen und Künstler einerseits den Einheimischen die Hand reichen und sie einladen sich anzusehen, was sie auf und vor ihrer Flucht durchgemacht haben. Andererseits wollen sie sich bedanken, dass sie hier in Sicherheit und Frieden leben dürfen.

Mitinitiator ist der Regisseur Rushdi Al Fatlavoi. Der 37jährige hat Theater-Regie an der Hochschule für bildende Künste in Bagdad studiert und 2005 als einer der Besten seines Jahrgangs abgeschlossen. Dazu gehört die langjährige Erfahrung als freier Tanztheater-Regisseur am Nationaltheater in Bagdad, und Engagements über mehrere Monate an der Oper in Damaskus (Syrien) sowie in Beirut (Libanon).

Foto: Rüdiger Reckstadt
Foto: Rüdiger Reckstadt

Am 4. Juni bereits konnte „Bullet“ in Rinteln aufgeführt werden, ein Tanztheater von Rushdi Al Fatlavoi. In einer ihrer barbarischsten Aktionen entführt und exekutiert die Terrormiliz ISIS bis zu ca. 1700 junge Männer aus „Camp Speicher“, einer Kadettenschule der irakischen Luftwaffe. Das Foto von Rüdiger Reckstadt zeigt eine beeindruckende Szene aus dem Stück.

In zehn Szenen zeigt Al Fatlavoi die Situation der Gesellschaft in weiten Teilen des Iraks auf. Anhand des Schicksals eines jungen Paares, dessen Glück, Hoffnung, Liebe durch den Terror brutal zerstört wird – der junge Mann ist eines der ca. 1.700 Opfer des Massakers von Camp Speicher – erhält der Betrachter einen Eindruck dessen, was die irakische Bevölkerung tagtäglich erlebt: Angst vor der bestialischen Willkür mordender IS-Banden, Verzweiflung und Trauer ob der vielen Toten und eine unbändige Wut auf ein Regime, das unfähig ist das eigene Volk zu schützen und nur bestrebt ist, die eigene Macht und den eigenen Wohlstand abzusichern.

Die zurückgebliebenen Überlebenden verlieren nicht nur geliebte Menschen. Auch ihr eigenes Lächeln wurde erschossen. Der brutale gegenwärtige Terror tötet auch die Erinnerung an vergangene, glücklichere Zeiten. Es bleibt Verzweiflung und die anklagende Frage, die sich angesichts so vieler kriegerischer Auseinandersetzungen stellt: WARUM?

Von der Videokonferenz in den Regelunterricht. Geflüchtete Kinder an niedersächsischen Schulen

Mehr als 30.000 geflüchtete Kinder und Jugendliche sind seit März 2015 nach Niedersachsen gelangt. Die meisten von ihnen sind schulpflichtig. Wie geht das Land mit dieser Herausforderung um? Kultusministerin Frauke Heiligenstadt antwortet.

Frau Heiligenstadt, geflüchtete Kinder sprechen kein Deutsch und sollen zur Schule gehen. Was tun?
Die Lösung kann nur in schneller Integration bestehen – nicht trotz, sondern wegen fehlender Sprachkenntnisse. Die Erfahrung zeigt doch, dass Kinder und Jugendliche, die sich willkommen fühlen, Defizite schneller ausgleichen können. Unsere Schulen in Niedersachsen gehen dabei ganz unterschiedliche Wege und wir unterstützen sie dabei mit einem breiten Angebot zur Sprachförderung: In vielen Klassen sind die geflüchteten Kinder und Jugendlichen von Anfang an mit im Unterricht und erhalten zusätzliche Sprachförderstunden, andere werden zunächst in Sprachlernklassen unterrichtet. Unsere Schulen haben tolle Sprachförderkonzepte, bei denen zum Beispiel die Ganztagsangebote auch eine große Rolle spielen: Auch das gemeinsame Musizieren, Spiel und Sport helfen den Kindern und Jugendlichen dabei, Deutsch zu lernen und sich in der Schule wohlzufühlen.

Womit beginnt der Integrationsprozess?
In einigen Erstaufnahmeeinrichtungen können Kinder und Jugendliche bereits an Lernwerkstätten teilnehmen. Sie beginnen Deutsch zu lernen und machen sich mit unserer Kultur vertraut. Darüber hinaus wird in den Werkstätten teilweise schon deutlich, welche Kompetenzen die Kinder mitbringen. Das ist gut, um später auf individuelle Bedürfnisse eingehen zu können. Zusätzlich bieten wir als Pilotprojekt Videokonferenzen mit qualifizierten Lehrkräften an. Der Integrationsprozess beginnt also, noch bevor der Status der Familie als Zuwanderer geklärt ist und noch bevor ihr ein Wohnort zugewiesen wurde.

Videokonferenzen? Wie muss man sich das vorstellen?
Kinder und Jugendliche einer Erstaufnahmeeinrichtung wählen sich in den realen Unterricht einer Schulklasse ein und nehmen per Videokonferenz teil. Auf diese Weise erhalten sie einen ersten Eindruck vom Unterricht in Niedersachsen. Umgekehrt lernen die Schülerinnen und Schüler am Schulstandort potenzielle künftige Mitschüler kennen. Die Zahl der Teilnehmenden variiert je nachdem, wie viele Heranwachswende zu dem Zeitpunkt in der Einrichtung leben.

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Und diese Art des Unterrichts funktioniert?
Wir machen damit seit Jahren gute Erfahrungen, allerdings in anderer Form: Das Niedersächsische Internatsgymnasium Esens bezieht Kinder und Jugendliche auf Nordseeinseln häufig per Videokonferenz ein. Übrigens sind die Videokonferenzen für geflüchtete Kinder nur ein Teil des Projekts Digital Deutsch lernen, das wir gemeinsam mit Partnern ins Leben gerufen haben. Im anderen Teilprojekt werden in Schulen Tablets zur Verfügung gestellt, die in Sprachlernklassen zum Einsatz kommen. Die Einbindung von Bildern und Ton macht es auch denjenigen leicht, die deutsche Sprache zu lernen, die bisher keine Kenntnisse der lateinischen Buchstaben haben.

Sie sprachen von individuellen Bedürfnissen. Inwieweit können die Schulen auf Einzelne eingehen?
Ziel ist es, dass alle Kinder und Jugendlichen so rasch wie möglich am Regelunterricht teilnehmen. Das gelingt, wie gesagt, auf verschiedenen Wegen. Die Sprachlernklassen bereiten darauf vor, indem sie sich drei bis zwölf Monate lang auf den Spracherwerb der Schülerinnen und Schüler konzentrieren. Sobald die Kinder und Jugendlichen Regelklassen zugeordnet sind, kommen andere Instrumente der Sprachförderung infrage. Ein Beispiel sind Sprachförderkurse. Darunter verstehen wir Lernangebote, die über den Regelunterricht hinausgehen, zum Beispiel am Nachmittag. Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Spracherwerb in den Unterricht aller Fächer zu integrieren.

Deutsch lernen in der Mathe- oder Biologiestunde?
Die Kinder und Jugendlichen lernen unsere Sprache, indem sie sie anwenden und zwar anhand unterschiedlicher Themen. Das zeigen unsere Erfahrungen. Und noch etwas ist bedeutsam: Kinder lernen am besten von Kindern. Viele Lehrkräfte haben mir in den vergangenen Monaten berichtet, dass die deutschen Schülerinnen und Schüler den Neuangekommenen gern und eifrig helfen. Das nutzt letztlich allen. Die einen lernen Deutsch, die anderen erwerben soziale Kompetenzen.

Wie fast überall in Deutschland mangelt es in Niedersachsen an qualifizierten Lehrkräften. Verschärft die Zuwanderung das Problem?
Der Bedarf an Lehrkräften schwankt von Schuljahr zu Schuljahr und muss immer wieder neu berechnet werden. Selbstverständlich beeinflusst die starke Zuwanderung der vergangenen Monate die Berechnungen. Vor allem aber verändert sie das Profil der Lehrkräfte, die wir suchen: Wir brauchen Lehrerinnen und Lehrer, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten beziehungsweise Kompetenzen auf diesem Gebiet erworben haben. Deshalb gehört Deutsch als Fremdsprache an unseren Hochschulen seit Ende 2015 zur Ausbildung aller Lehrerinnen und Lehrer, egal welche Fächer sie unterrichten wollen.

Das wirkt sich allerdings erst in der Zukunft aus …
Kurz- und mittelfristig hilft es uns, dass pensionierte Lehrkräfte für eine bestimmte Zeit in den Schuldienst zurückkehren. Dazu haben wir schriftlich ermutigt und ich freue mich, wie viele engagierte Pensionärinnen und Pensionäre jetzt wieder bei uns an der Tafel stehen. Ein Zusatzeffekt dieser Aktion war, dass sich auch Menschen bei uns beworben haben, die nie Lehrkraft an einer Schule gewesen sind und die quereinsteigen möchten. Wir prüfen die Lebensläufe und Kompetenzen gründlich und haben mit solchen Bewerberinnen und Bewerbern auch schon Verträge geschlossen. Insgesamt sind rund 2.000 Bewerbungen von Pensionären und Quereinsteigern eingegangen. 520 befristete Verträge haben wir aus diesem Pool allein im zweiten Schulhalbjahr 2015/2016 geschlossen.

Welche Angebote können junge Geflüchtete wahrnehmen, die nicht mehr schulpflichtig sind, aber auch noch keine Ausbildung hinter sich haben?
Diese Gruppe ist in der Tat so groß, dass wir für berufsbildende Schulen ein eigenes Programm aufgelegt haben. Es heißt Sprach- und Integrationsprojekt, kurz SPRINT und besteht aus den Modulen Spracherwerb, Einführung in die regionale Kultur- und Lebenswelt sowie Einführung in das Berufs- und Arbeitsleben. Zurzeit nehmen an rund 80 Standorten etwa 2.900 Geflüchtete zwischen 16 und 21 Jahren teil. Für Absolventinnen und Absolventen, die mehr Förderung brauchen, planen wir das Anschlussprojekt SPRINT dual. Das heißt, diese jungen Menschen werden einen Teil der Woche direkt in Betrieben verbringen, zum Beispiel als Praktikanten, und einen weiteren Teil wie gehabt an der berufsbildenden Schule lernen. Im Herbst soll es losgehen mit SPRINT dual.

Welche Perspektiven haben SPRINT-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt?
Das hängt stark von den Vorkenntnissen ab, die junge Geflüchtete mitbringen. Wir dürfen nicht vergessen, dass manche von ihnen Analphabetinnen oder Analphabeten sind. Just heute Vormittag hatte ich aber einen Termin, der mich optimistisch stimmt. Die Leiterin einer berufsbildenden Schule teilte mir im Vor-Ort-Gespräch mit, dass vierzehn SPRINT-Absolventen kürzlich einen Ausbildungsvertrag mit regionalen Unternehmen unterschrieben haben. Das ist ein schöner Erfolg, wie ich finde.

Fotos: Niedersächsisches Kultusministerium/ Fotograf: Tom Figiel.

Dr. Barbara Hendricks

Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks setzt darauf, dass alle zusammenarbeiten, die sich für geflüchtete Menschen engagieren. Deswegen unterstützt die Nordrhein-Westfälin auch das Engagement im benachbarten Bundesland: „Ein breites gesellschaftliches Bündnis ist wichtig. Wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir die Flüchtlinge, die zu uns gekommen sind, erfolgreicher integrieren als allein.“

Die Bundesbauministerin freut sich, dass das Bündnis in seine dritte Integrationskonferenz am 29. August zu einer „Werkstatt Wohnen und Leben“ macht. Gespannt ist sie, ob auf der Integrationskonferenz die eine oder andere Anregung für die Bundespolitik erarbeitet wird.

Foto: Copyright BMUB/ Thomas Imo

Helmut Streiff

Als Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Braunschweig unterstützt Helmut Streiff das Bündnis „Niedersachsen packt an“. Warum? Dem IHK-Präsidenten ist wichtig, dass geflüchtete Menschen schnell in Arbeit kommen: „Sie brauchen eine Perspektive“, sagt Helmut Streiff und engagiert sich entsprechend: Die IHK Braunschweig will noch in diesem Jahr 50 Praktikumsplätze für Flüchtlinge anbieten, das Unternehmen Streiff Invest hat der Stadt Braunschweig schon ein Bürogebäude zur Verfügung gestellt und umgebaut, um Flüchtlinge besser unterzubringen. Bei „Niedersachsen packt an“ möchte sich Helmut Streiff mit anderen austauschen, die ebenfalls die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt voranbringen.

Foto: IHK Braunschweig

German Road Safety: Smartphone-App für Verkehrssicherheit

Mehrsprachige Informationskampagne für Zugewanderte

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt bundesweit auch die Akteure in der Verkehrssicherheitsarbeit. Viele Verkehrsregeln in Deutschland sind für die ankommenden Menschen neu und bestimmte Situationen im Straßenverkehr gestalten sich anders als im Herkunftsland. Wie funktioniert der Nahverkehr? Wo darf ich mit dem Fahrrad fahren? Und wer hat eigentlich Vorfahrt? Diese und weitere Fragen beantwortet eine neue kostenlose Smartphone-App unter dem Titel „German Road Safety“, die der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) mit Unterstützung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) entwickelt hat. Sie ist für Apple iOS sowie Android erhältlich.

Vier Themenkapitel mit gezielt anwählbaren Abschnitten widmen sich den folgenden Bereichen: öffentlicher Nahverkehr, zu Fuß unterwegs, Fahrrad fahren sowie Auto und Motorrad. Sie liefern wertvolle Hinweise und Tipps für ein sicheres Verhalten in typischen Verkehrssituationen, aber auch im Notfall. Die Texte werden durch Videoanimationen unterstützt. Während zwei Quiz-Module innerhalb der App helfen, den eigenen Wissensstand zu überprüfen, ergänzt eine Liste mit wichtigen Anlaufstellen rund um die Themen Verkehrssicherheit und Mobilität das Angebot. Sobald die App auf dem Smartphone installiert ist, sind alle Inhalte komplett offline verfügbar.

Auf der Internetseite www.germanroadsafety.de gibt es weiterführende Informationen für Multiplikatoren und kostenlose Broschüren. App, Internetangebote und Broschüren sind bereits in der Sprachkombination Deutsch/Englisch/Arabisch erhältlich, weitere Sprachversionen sind in Arbeit.

Fördermittel zur beruflichen Orientierung zugewanderter Frauen

Frauenministerin Cornelia Rundt: „Zugewanderte Frauen haben eine Schlüsselrolle für eine gelingende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“
 
Zugewanderten Frauen gelingt nur schwer der Sprung auf den Arbeitsmarkt. Traditionelle Rollenverteilungen, Sprachbarrieren oder zum Beispiel unzureichende Kinderbetreuungsangebote sind meist die Gründe dafür. Dabei wollen nach einer Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge rund drei Viertel aller zugewanderten Frauen arbeiten gehen. Diesen Wunsch fördert das Land, indem es die Koordinierungsstellen Frauen und Wirtschaft in 2017 und 2018 mit zusätzlichen Mitteln ausstattet: Interessierte Koordinierungsstellen können sich bei der Niedersächsischen Förderbank NBank um diese Mittel bewerben. Für die Jahre 2017 und 2018 stehen dafür bis zu 70.000 Euro je Koordinierungsstelle bereit.
 
„Zugewanderte Frauen wollen arbeiten, wir unterstützen sie dabei. Gerade diese Frauen haben eine Schlüsselrolle innerhalb ihrer Familien für eine gelingende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie unterstreichen dadurch, wie wichtig der Spracherwerb und eine berufliche Qualifikation sind. So wirken sie motivierend auf Ehepartner und Kinder“, sagt Niedersachsens Frauenministerin Cornelia Rundt. Sie betont: „Bei den Koordinierungsstellen Frauen und Wirtschaft haben wir ausgesprochene Expertinnen, die die frauenspezifischen Anforderungen an eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration vor Ort kennen. Von dieser Kompetenz sollen auch zugewanderte Frauen profitieren.“
 
Mit einer geschlechter- und kultursensiblen Ansprache können die Mitarbeiterinnen in den Koordinierungsstellen zugewanderte Frauen in ihren Fähigkeiten und Kenntnissen stärken. Damit ebnen sie ihnen zugleich auch den Weg zu einer gleichberechtigten Teilhabe an Gesellschaft und Arbeitsmarkt. Bei den derzeit 24 Koordinierungsstellen im Land erhalten Frauen eine kostenlose Berufswege- und Wiedereinstiegsberatung. Außerdem werden Qualifizierungen und Fachveranstaltungen auch für Unternehmen angeboten.

FreiwilligenServer Niedersachsen bietet umfassende Informationen

Engagement für Geflüchtete und mit Geflüchteten

In vielen Orten in Niedersachsen finden Menschen aus Krisenregionen Zuflucht, die wegen Hungers, Gewalt, Krieg oder materieller Not aus ihrer Heimat geflohen sind.

Zahlreiche Menschen engagieren sich für die Geflüchteten, die in niedersächsischen Gemeinden aufgenommen werden und dort für eine gewisse Zeit eine neue Heimat finden. Das Engagement für Geflüchtete ist ebenso vielfältig, wie die Engagierten selbst und findet unter der Koordination von Vereinen und Initiativen, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden, aber auch im Privaten statt.

Engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich für Geflüchtete in Niedersachsen einsetzen möchten, finden folgende Einrichtungen und Services:

  • FreiwilligenBörse Flüchtingshilfe – eine Börse, in der Institutionen aktuell nach Engagierten suchen und Hilfsbedarfe einstellen.
  • Koordinierungsstellen für Migration und Teilhabe tragen auf lokaler Ebene unter Einbeziehung der jeweils vor Ort tätigen Akteurinnen und Akteure zur chancengerechten Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund in allen kommunalen und gesellschaftlichen Bereichen bei und stehen für Fragen der Freiwilligen zur Verfügung.
  • Niedersachsen packt an ist ein Aktionsbündnis welches Akteurinnen und Akteure zusammen führen und Maßnahmen für die Integration der jüngst nach Niedersachsen zugewanderten Menschen bündeln will. Es unterstützt desweiteren die zahlreichen haupt- und ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierten Frauen und Männer.
  • Kommunale AnsprechparterInnen für das Ehrenamt stehen für Fragen rund um das Thema Ehrenamt zur Verfügung.
  • Freiwilligenagenturen beraten Interessierte dabei, eine geeignete Engagementmöglichkeit zu finden.
  • Flüchtlingsrat Niedersachsen – ein landesweiter Zusammenschluss von niedersächsischen Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen, die für den Schutz und eine menschenwürdige Lebensperspektive von Geflüchteten und MigrantInnen mit prekärem Aufenthaltsrecht eintreten.
  • Fortbildungsangebote – speziell für die Arbeit für Geflüchtete und mit Geflüchteten.
  • Informationsmaterial über ehrenamtliches Engagement für Geflüchtete und mit Geflüchteten.

Finden Sie hier nähere Informationen: http://www.freiwilligenserver.de/?621919C9D2CC9DEC94070F9A34644C13