Treffen mit der „Allianz für Weltoffenheit“

Staatssekretär Michael Rüter , Bevollmächtigter des Landes Niedersachsen hat am Mittag DGB Bundesvorstand-Chef Reiner Hoffmann zum Thema Integration von Flüchtlingen getroffen. An dem Gespräch nahm auch sein brandenburgischer Amtskollege Staatssekretär Thomas Kralinski für das „Bündnis für Brandenburg“ teil.

„Wir brauchen mehr bürgerschaftliches Engagement und eine deutliche Verbesserung der Anerkennungskultur in Deutschland“, fasst Michael Rüter ein Ergebnis des Treffens zusammen.

Im Verlauf des Gespräches wurde eine Zusammenarbeit der DGB-Initiative „Allianz für Weltoffenheit“ und dem Bündnis „Niedersachsen packt an“ vereinbart.

Beide Initiativen engagieren sich für mehr Solidarität und Demokratie und richten sich gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt.

 

Erste Integrationskonferenz erarbeitet zahlreiche Verbesserungsvorschläge für die Sprachvermittlung

Mit einem Bündel an Vorschlägen für künftige Maßnahmen ist am Mittwoch, 16. März 2016, die erste Integrationskonferenz des Bündnisses „Niedersachsen packt an“ in Hannover zu Ende gegangen. Unter der Überschrift „Werkstatt Sprache“ waren im Hannover Congress Centrum rund 500 Akteure aus den unterschiedlichsten Bereichen von Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik zusammengekommen, um sich über die praktischen Herausforderungen bei der Sprachvermittlung geflüchteter Menschen auseinanderzusetzen und Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.

Hauptdiskussionspunkte der Konferenz waren eine bislang unzulängliche Abstimmung von Bildungsketten, der Wunsch, stärker auf lokaler Ebene zu koordinieren, der verstärkte Einsatz von Online-Lernen sowie das Problem der Knappheit an geeigneten Lehrkräften. Die Konferenzteilnehmer haben sich für eine verstärkte Verzahnung auf lokaler Ebene ausgesprochen. Das Land hat sich diesen Diskussionspunkten bereits im Vorfeld angenommen und Lösungsvorschläge erarbeitet.

Um den „Angebotsdschungel“ im Bereich Sprachförderung zu lichten,

  • soll eine abgestimmte Bildungskette zu entwickelt werden. Vorschlag des Landes ist es, hierfür die Sicherstellung von Basissprachkursen in allen Kommunen zu gewährleisten. Bestandteil dieser Kurse ist die Feststellung des bisherigen individuellen Bildungsstandes, um danach individuelle Beratung anbieten zu können. Bis Ende dieses Jahres sollen hiermit 33.000 geflüchtete Frauen und Männer erreicht werden. Der Bund muss seiner gesamtstaatlichen Verantwortung für die Integration der Flüchtlinge auch im Bereich der Sprachförderung besser gerecht werden, damit im Bereich der Basissprachkurse ein bedarfsgerechtes Angebot gestaltet werden kann.
  • Für höher qualifizierte Flüchtlinge werden flächendeckend Sprachkurse angeboten, um diese beim Hochschulzugang zu unterstützen. Bis Ende 2016 können etwa 1.000 Flüchtlinge diese Kurse besuchen.

Um den Mangel an qualifizierten Lehrkräften für den Sprachunterricht zu mildern,

  • erhalten bis Ende dieses Jahres 1500 Lehramtsstudierende eine Basisqualifikation für „Deutsch als Zweitsprache“, damit sie im Sprachförderunterricht der Schulen und in Einrichtungen der Erwachsenenbildung eingesetzt werden können.
  • Zudem werden bis Ende dieses Jahres 2900 ehrenamtlich engagierte Frauen und Männer zu Sprachbegleiterinnen und Sprachbegleitern fortgebildet, um auch den Bereich der ehrenamtlichen Sprachförderung qualitätsgesichert zu unterstützen. Außerdem wird ehrenamtlichen Lehrkräften praxiserprobtes Unterrichtsmaterial kostenlos zugänglich gemacht.
  • Damit auch zukünftig ausreichend qualifizierte hauptberufliche Lehrkräfte zur Verfügung stehen, setzt sich das Bündnis für eine Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen ein.
  • Das Land unternimmt weitere Anstrengungen bei der Personalgewinnung, indem der Bewerberkreis für befristete Einstellungen im Bereich „Spracherwerb“ in Schulen erweitert sowie das Einstellungsverfahren für Lehrerinnen und Lehrer im Ruhestand vereinfacht und beschleunigt wird.

Um den Bereich Online-Lernen sinnvoll ausbauen zu können,

  • wird das Land bis zum Herbst dieses Jahres ein Orientierungs- und Sprachlernportal einrichten. Für alle Sprachniveaustufen sollen dort angepasste Angebote und Hinweise gegeben werden – von Präsenzkursen bis zur Lern-App.
  • Außerdem wird es Online-Sprachlernangebote zur Flankierung von Qualifizierungsmaßnahmen insbesondere im ländlichen Raum geben.
  • Zudem hat das Land vor, bis spätestens zum Ende des Jahres 2016 in allen seinen großen Aufnahmeeinrichtungen WLAN vorzuhalten.

Um geflüchtete Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter gut zu fördern und in den Unterricht integrieren zu können,

  • will das Land die regionale Koordinierung durch geeignete Ansprechpartner verstärken. Diese sollen Schulträger und Schulleitungen bei der Verteilung und Zuweisung der Schülerinnen und Schüler auf die Schulen unterstützen.
  • Besondere Sprachfördermaßnahmen soll es außerdem für Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 19 Jahren geben, die aufgrund ihrer Vorbildung und ihres Potenzials in der Lage sind, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen.

Das Land erweitert darüber hinaus das schon bestehende und erfolgreiche Projekt SPRINT (Sprach- und Integrationsprojekt) für diejenigen geflüchteten Mädchen und Jungen, die eine duale Berufsausbildung anstreben.

 

Dieser Text ist als „Information für die Medien“ erschienen. Sie können ihn hier auch herunterladen:

Information für die Medien (PDF, 161 KB)

Broschüre „Sprachlernen und Sprachförderung“

Das Bündnis „Niedersachsen packt an“ stellt heute die Broschüre „Sprachlernen und Sprachförderung für geflüchtete Menschen in Niedersachsen“ vor. Die Broschüre erscheint im Zusammenhang mit der Ersten Integrationskonferenz „Werkstatt Sprache“ am 16. März in Hannover. Sie können die Broschüre hier herunterladen:

Broschüre (PDF, 491 KB)

Bericht der Auftaktveranstaltung

Am 7. Januar hat Ministerpräsident Stephan Weil bei einer Auftaktveranstaltung im VGH-Forum in Hannover den Startschuss für das breite Aktionsbündnis „Niedersachsen packt an“ gegeben, welches nun in die konkrete Arbeitsphase geht. Hauptaufgabe des Bündnisses ist im weitesten Sinne die Bündelung von Maßnahmen zur Integration von jüngst nach Niedersachsen zugewanderten Menschen, aber auch die Unterstützung der in der Flüchtlingshilfe engagierten Frauen und Männer.

In seiner Rede betonte der Ministerpräsident, dass das Bündnis dafür kämpfe, dass die Gesellschaft mitfühlend und weltoffen bleibt. Die Aufgabe der Integration der Flüchtlinge könne nur gemeinsam im Schulterschluss zwischen Politik und Gesellschaft bewältigt werden. Die jetzige Herausforderung berge auch Chancen. Es komme darauf an, nun die richtigen Schritte einzuleiten.

Emotional sehr bewegend war die Präsentation des von Franziska Stünkel in Zusammernarbeit mit der Internationalen Schule Region Hannover erstellten Kurzfilms „Boat Trip“, den Sie hier sehen können (englisch mit deutschen Untertiteln).

An der Auftaktveranstaltung in Hannover nahmen rund 350 Gäste aus allen Bereichen der Gesellschaft und aus ganz Niedersachsen teil.

Am 30. November des vergangenen Jahres hatten sich die Sozialpartner (DGB und UVN) sowie die beiden christlichen Kirchen in Niedersachsen mit der Landesregierung auf einen gemeinsamen Aufruf verständigt, in dem zu gemeinsamen Anstrengungen bei der Eingliederung von Flüchtlingen etwa bei Sprache, Arbeit und Wohnungsmarkt aufgefordert wird. Dem Aufruf sind seither mehr als 1400 Einzelpersonen und knapp 100 Institutionen gefolgt, indem sie sich auf den Internet- und Facebook-Seiten des Bündnisses registrieren ließen. Darunter sind auch prominente Persönlichkeiten wie etwa der Drogerie-Unternehmer Dirk Rossmann, Hannover-96-Präsident Martin Kind, Springreiterin Meredith Michaels-Beerbaum, Musiker Peter Maffay, Schauspielerin Renan Demirkan oder auch Eske Nannen, die Geschäftsführerin der Kunsthalle Emden.
In diesem Jahr will das Aktionsbündnis in drei Integrationskonferenzen die jeweils aktuellen Herausforderungen und Probleme der Integration besprechen und Lösungsvorschläge erarbeiten. Zur Vorbereitung der Integrationskonferenzen bilden sich Arbeitsgemeinschaften zu Schwerpunktthemen, etwa Spracherwerb und -förderung, Integration in den Arbeitsmarkt, freiwilliges Engagement, Wohnen und Leben usw. Auch auf lokaler Ebene sollen vom Bündnis veranstaltet kleinere Regionalkonferenzen stattfinden, um die Vielfältigkeit Niedersachsens und die damit verbunden unterschiedlichen Problemlagen im Flächenland Niedersachsen angemessen berücksichtigen zu können.

Daneben organisiert das Bündnis weitere Informations- und Kulturveranstaltungen, um das Zusammenleben von eingesessenen und Neubürgern und deren Integration zu unterstützen.

Last but not least sieht das Bündnis als eine seiner Hauptaufgaben auch die Würdigung und Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements vieler tausend Menschen in Niedersachsen, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind. Hierzu werden derzeit noch Formate erarbeitet, bei denen die prominenten Unterstützer eine wichtige Rolle spielen.

Die erste Integrationskonferenz ist für den 16. März 2016 vorgesehen. Die zweite Integrationskonferenz soll im Zeitraum Mai/Juni 2016 stattfinden, die dritte im Zeitraum Oktober/November 2016. Daran sollen sich jeweils Regionalkonferenzen anschließen.